Archiv für Kategorie Wirtschaft

Qype: Nur irgendein Bewertungsportal oder ein Muss?

Ein Kunde hat mich darauf angesprochen (und das war noch kurz vor Einführung der “Referenzen” bei XING):

„Wir sind jetzt auf Qype und wollen das nutzen. Die sind Marktführer, daher haben wir uns für die entschieden.“

Soweit das sinngemäße Zitat. Spontan habe ich ob des Sinns erstmal Zweifel angemeldet. Wer ist da überhaupt unterwegs? Und sind das ggf. potentielle Kunden für meinen Kunden? Was ist, wenn es schlechte Bewertungen gibt (sei es aus Spaß, Langeweile oder dummerweise der Wahrheit halber)? Wer sieht sich das an? Verteilen sich potentielle Bewerter nicht auf zuviele verschiedene Bewertungsportale?

Ich habe mich dann erstmal selbst bei Qype angemeldet, um mir ein Bild zu machen. Schnell hatte ich den Eindruck, wie er für viele Netzwerkplattformen gilt: Nett, Profil reingehauen, mal rumgeschaut, wer sonst noch so da ist, und fertig. Eigentlich nichts, wo ich jemals wieder vorbeischauen würde. Außer jetzt, weil es einen Kunden interessiert.

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Servicewüste Deutschland?

Vor einigen Wochen hatte ich ein Erlebnis, das ich über Twitter schonmal andeutete, das es aber verdient, etwas näher beleuchtet zu werden. So trug es sich zu, dass ich zwei Ersatzteile unterschiedlichster Art brauchte: einen Fake-Auspuff für ein E-Quad (an dessen Original mir bei der Montage ein Haltestück abgebrochen war) und einen neuen Tritt für einen Toilettentrainer (dessen Haltebolzen durch Benutzung dahinschieden). Ich schrieb also eine E-Mail an den jeweiligen Kundenservice der Firmen PEG (Quad) und KidsBo (Toilettentrainer) mit der Bitte um Ersatz. Dabei ließ ich keinen Zweifel an der Wahrheit: Beim Quad war ich offenbar zu blöd, das Teil richtig anzubringen, und der Tritt (die Stufe) beim Toilettentrainer hat das Gewicht eines Vierjährigen nicht ausgehalten. Ich ließ offen, ob ich dafür zu zahlen bereit sei.

Nach zwei Wochen hatte ich von beiden Firmen immer noch keine Antwort. “Typisch”, dachte ich, klassisch vorurteilsbehaftet und mit viel Lebenserfahrung belastet, “Servicewüste Deutschland!”

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Bühler Bürgerinfobroschüre mal wieder von außerhalb

Was flattert mir heute mit der Post auf den Tisch? Ein Insertionsangebot. Ja, toll, ich weiß. Aber es ist nicht irgendeines. Nein, es ist ein Insertionsangebot, mit dem ich „gleichzeitig den Standort Bühl unterstütze“, nämlich durch eine Werbung in der Bürgerinfobroschüre der Stadt Bühl, empfohlen von der Leiterin für Öffentlichkeitsarbeit der Stadt.

Stadt Bühl Nun frage ich mich, warum eine solch offenbar offizielle Broschüre von einer Agentur umgesetzt wird, die eben nicht aus Bühl stammt – was ja den Standort Bühl noch mehr stützen würde. Denn: Wir haben ja durchaus ein paar Agenturen in der Stadt (die des Autors eingeschlossen), die dazu in der Lage gewesen wären.

Das ist nicht der erste Fall. Immer wieder kann man Broschüren, Prospekte, Flyer und andere städtische Außenauftritte sehen, die von Unternehmen außerhalb gestaltet und gedruckt werden. Warum ist das so? Ist der Prophet in der eigenen Stadt mal wieder nichts wert?

Man könnte nun argumentieren, dass die Anbieter außerhalb einfach besser und/oder günstiger waren. Doch das kann nicht der Grund sein. Denn Bühler Unternehmen wurden offenbar gar nicht erst angefragt. Meine persönliche Meinung ist aber, dass eine Stadt immer zuerst lokale Industrie, Handel und Gewerbe für eigene Zwecke heranziehen sollte – vorausgesetzt natürlich Angebot, Preis und Leistung stimmen. Nur wenn das nicht der Fall ist oder gar ein entsprechendes Angebot innerhalb der Stadt nicht existiert, sollte man in die Region schauen.

Liebe Stadt, ich zitiere mal frei – „Sie haben die Möglichkeit, durch (Vergabe von Aufträgen an Unternehmen innerhalb der Stadt) Ihre Verbundenheit mit unserer Stadt zu dokumentieren.“ Das würde mich freuen.


Update (26.10.2009): Nicht zu fassen. Heute, noch nicht einmal zwei Monate später, erhalte ich schon wieder ein ähnliches Schreiben. Diesmal per E-Mail, und es geht um die „werbewirksame Plattform“ im „Stadt Bühl Veranstaltungskalender 2010″. Und wieder macht sich die Leiterin für Öffentlichkeitsarbeit der Stadt für eine Firma stark, die nicht in Bühl, sondern diesmal in Offenburg ansässig ist. Und an diese Firma wurde offensichtlich sogar meine E-Mail-Adresse herausgegeben! Bedenklich. Und nicht schön, liebe Stadt Bühl. Gar nicht schön.


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Die Religion des Marktes

Die Wirtschaftskrise ist eine Chance, sagen einige. Okay. Aber für wen? Ist es ein Chance, aus dem bisherigen Marktgefüge auszubrechen und neue Wege zu beschreiten? Das Tagesgeschehen belehrt uns eines besseren. Alles scheint beim alten. Vielleicht nur etwas besser abgesichert. Aber abgesichert wiederum scheinen bei genauerer Betrachtung nur diejenigen zu sein, welche die Krise (mit)verursacht haben. Der bekannte slowenische Philoshop Slavoj Zizek meint sogar, dass “das Schockmoment der Krise als manipulative Strategie des globalen Kapitalismus genutzt wird, um kapitalistische Spielregeln noch radikaler zu etablieren” und damit “die Fesseln noch enger zu schnüren”. Es werde versucht, die Finanzkrise als Normalität innerhalb wirtschaftlicher Zyklen zu etablieren. Hier ein aktuellerer Beitrag darüber aus der Redaktion der 3Sat Kulturzeit:

Ich bin sicher kein Sozialist, aber das gibt mir schon zu denken. Wer ist schuld? Das System? Die Gier einzelner? Nun, wenn die Gier einzelner vom System bedient und nicht etwa geblockt wird, dann ist letztendlich eben doch das System schuld.

Hier mal ein paar Zahlen statt Propaganda zur wirtschaftlichen Entwicklung (Danke, @houellebeck!): wirtschaftquerschuss.blogspot.com

Es stellt sich die Frage, ob nicht ein globaler, radikaler Wechsel vonnöten ist. Obwohl: Eigentlich ist das keine Frage mehr, sondern Gewissheit. Man weiß nur noch nicht, wohin. Die altbekannten Systeme scheinen ja nun alle keine zufriedenstellenden Ergebnisse zu liefern. Kann es nicht sein, dass etwas so Radikales, etwas so Unglaubliches und auch so Unerhörtes wie das Bedingungslose Grundeinkommen ein Lösungsansatz ist (siehe auch hier)? Ein Weg, der allen Menschen finanzielle Unabhängigkeit garantiert. Der soziale und künstlerische Berufe wieder interessanter macht. Und Arbeitslosigkeit endlich zu einem Thema der Vergangenheit. (Denn es glaubt doch wohl niemand mehr ernsthaft daran, dass die Massenarbeitslosigkeit noch mit herkömmlichen Mitteln und gleichbleibenden Rahmenbedingungen in den Griff zu bekommen ist?!)

Es ist höchste Zeit, mit dem Umdenken zu beginnen. Ich persönlich bin mir sicher, dass das Grundeinkommen kommt. Ich zweifle allein daran, dass ich es noch erleben werde. Leider.

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