Von Negern, Zigeunern und Eskimos


Friede, Freude, Eierkuchen. Nur ja niemanden auf den Schlips treten! (Oder heißt das jetzt „Hängegebinde für männliche Erdbewohner“?) Dafür steht Political Correctness. Doch was ist angebracht? Was übertrieben? Eine nüchterne Betrachtung, die nur an der Oberfläche kratzen kann.

Für mich war seit meiner Kindheit klar, dass „Nigger“ ein Schimpfwort ist und eine klar abwertende Bedeutung hat. Ich wuchs andererseits aber in dem Selbstverständnis auf, dass „Neger“ keines ist, sondern einfach eine wertneutrale Rassenbezeichnung. So wie Eurasier vielleicht, Asiate o.ä. Offenbar sehen das aber einige Schwarze – wenn auch bei weitem nicht alle – anders. Stopp, es heißt ja nun Farbige. Nein, „Menschen afrikanischer Herkunft“. Oder? Maximalpigmentierte? Wer soll sich da noch auskennen? Zumal gefühlt alle fünf Minuten nachgebessert wird. Die sogenannte politische Korrektheit trägt bisweilen schon seltsame Blüten.

Jeder weiß, dass die Menschen in den schicken pelzbesetzten Winterkutten, die in nördlichen Gefilden in Iglus leben, Eskimos heißen. Richtig? Falsch! Die dürfen so auch nicht mehr genannt werden, weil es wörtlich soviel wie „Esser-von-rohem-Fleisch“ bedeutet. Nun heißen sie also „Inuit“ (Einzahl: „Inuk“); das steht schlicht für so etwas wie „Menschen“. Allerdings sind nicht alle eskimoischen Völkergruppen damit einverstanden, u.a. weil das Wort z.B. in der Sprache der Yupik nicht vorkommt oder andere, weil sie schlicht stolz darauf sind, zum „großen Volk der Eskimos“ zu gehören. Es ist also offenbar einfach nur eine minderheitliche Gruppe, die einen neuen Begriff durchzusetzen versucht. Und wir springen sofort darauf an. Oh Gott, nur nichts Falsches in der Öffentlichkeit sagen!

Nächste Gruppe: Zigeuner! Hießen sie vorübergehend „Sinti und Roma“, gibt es sie jetzt im Bürokratendeutsch abgekürzt als „MEM“. Das steht für „Mobile ethnische Minderheiten“. Auch wenn die Zigeuner das ganz anders sehen. Kinder, was soll das? Wir wissen doch wohl auch alle, dass bei einem „gelben Sack“ nicht von einem alten Chinesen die Rede ist, oder? Dass es nicht böse gemeint ist, wenn der Käpt’n im U-Boot fragt, ob alle Schotten dicht sind. (Danke, Andreas!) Dass es nicht schimm ist, wenn ein Schnitzel noch ungar ist, ein Magnet falsch gepolt oder der Kamin total verrußt. Wenn ein Spiel hingegen getürkt ist, ist das in der Tat weniger schön. 😉 Doch während „Kanaken“ und „Japsen“ offenkundig indiskutable Schimpfwörter sind, die gar nicht gehen, stellt sich klar die Frage: Was passiert nun mit dem Zigeunerschnitzel?!

Aber auch Dinge dürfen nicht mehr so heißen, wie sie hießen. „Negerkuss” oder „Mohrenkopf“ gehen beide nicht mehr! Aber ist es wirklich ein Schokokuss oder doch eher eine „verfestigte Schaumspeise mit subsaharischem Migrationshintergrund“? (Danke, Heiko!) Und was ist mit dem „kleinen Schwarzen“? Ohne das wären die Frauen aufgeschmissen. ^^

Ein Witz

Wo soll das noch hinführen? Ich zitiere mal einen sogenannten „politisch korrekten Witz mit rekursiver Grundstruktur“ aus der Uncyclopedia:

Treffen sich ein Amerikaner afroafrikanischer Abstammung, ein Brite angelsächsischer Herkunft, eine französische StudentIn mit nymphomanen Neigungen und ein Angehöriger der serbo-kroatischen Sprachfamilie mit großserbischer Grundhaltung in einem barrierefreien Stadtverwaltungsgebäude. Sagt der Amerikaner mit afroafrikanischer Abstammung zu dem Angehörigen der serbo-kroatischen Sprachfamilie mit großserbischer Grundhaltung: „Du hast mir doch gestern Abend einen politisch korrekten Witz mit rekursiver Grundstruktur erzählt, den unsere beiden Freunde, die französische StudentIn mit nymphomanen Neigungen sowie der Brite angelsächsischer Herkunft noch nicht kennen.“ „Ja, stimmt,“ antwortet der Angehörige der serbo-kroatischen Sprachfamilie mit großserbischer Grundhaltung. „Willst Du ihn nicht erzählen?“ fragt der Amerikaner afroafrikanischer Abstammung. „Ja gut,“ erwidert der Angehörige der serbo-kroatischen Sprachfamilie mit großserbischer Grundhaltung. „Also der Witz geht so: Treffen sich ein Amerikaner afroafrikanischer Abstammung, ein Brite angelsächsischer Herkunft, eine französische StudentIn mit nymphomanen Neigungen und ein Angehöriger der serbo-kroatischen Sprachfamilie mit großserbischer Grundhaltung in einem barrierefreien Stadtverwaltungsgebäude. …“

Ja, okay, ist nur bedingt witzig, aber Ihr versteht, worum es geht…? Vor allem, versucht den mal ohne Versprecher laut zu lesen.

Ist es legitim, auch nur die Diskussion darüber zu führen, altes Liedgut wie „Zehn kleine Negerlein“ oder Literatur wie „Tom Sawyer“ einfach umzuschreiben? Für letzteres Werk wurde beschlossen, „Neger“ („negro“ oder, politisch korrekt: das „N-Wort“!) durch „Sklave“ und „Rothaut“ („Injun“) durch „Indianer“ zu ersetzen. Ist es das, was Mark Twain sagen wollte? Oder hat er die Begriffe ganz bewusst gewählt? Oder waren sie schlicht zeitgemäß? Sollte man Literatur nicht ohnehin immer stets im Kontext der Zeit betrachten, in der sie entstanden ist? Müsste man andererseits nicht auch alle Hakenkreuze aus den Geschichtsbüchern entfernen? Und was ist eigentlich mit der ebenfalls enthaltenen Prügelstrafe, hm? Wieso geht die dann noch?  Auch Pippi Langstrumpf („Negerkönig“ et al.) wurde 2009 bereits zensiert. Wann sind die Märchen-Klassiker dran?

Aus Rücksicht auf die muslimische Kultur und ihr „Problem“ mit Schweinen hatte man in England gar „Three little Pigs“ kurzerhand in „Three little Puppies“ umbenannt, und Banken hatten „Sparschweine” aus dem Wortschatz verbannt. Darüber mussten sogar die Muslime selbst den Kopf schütteln, und ein Mitglied des Rates der Muslime führte an: „Mit jeder dieser Stories [falscher Rücksichtnahmen] werden Moslems mehr und mehr als Störenfriede betrachtet. Wir haben zu akzeptieren, dass es hier eine vorherrschende Kultur gibt.“

Sprachliche Handicaps

Jetzt mal ehrlich: Weiß eigentlich noch jemand wie man „Behinderte“ heute nennen darf? (Dass „Krüppel“ nicht geht, dürfte sich von selbst verstehen!) Sind das nun Menschen mit Handicap? „Physisch Herausgeforderte“? (Kleinwüchsige („Zwerge“!) sind „vertikal herausgefordert”?) Die Zeitschrift Behinderte hat dazu einen schönen Ratgeber verfasst: „Sprechen und Schreiben über Behinderung“. So wird insbesondere der Ausdruck „an den Rollstuhl gefesselt“ kritisiert. In Ordnung gehen demnach „Behinderte Menschen“ und „Menschen mit Behinderung”, die gleichwohl ein wenig sperriger sind als ein Einzelnomen. Mongoloid (korrekt: „Menschen mit Down-Syndrom“) ist ebenso zu vermeiden wie „Spastiker“ („Menschen mit Cerebralparese” (Ernsthaft?!)). Aber selbst für das vermeintlich neutrale „taubstumm“ wird „gehörlos“ vorgeschlagen. Die nicht ganz unbekannte, gehörlose @EinAugenschmaus (Jule) kämpft ja hier an vorderster Front. Aber es gibt noch einiges mehr, was problematisch ist. Bei einigen Begrifflichkeiten muss man aber in der Tat erstmal drauf gebracht werden.

Dennoch: Auch simplere Dinge sind nicht mehr so simpel. Im Krankenhaus wusste beispielsweise jeder sofort, was mit einer Braunüle gemeint ist. Vor allem war es schön kurz und griffig und schnell gesagt. Da sie aber vom Hersteller Braun stammt und es ja noch andere Hersteller gibt, darf sie nun auch nicht mehr so genannt werden, sondern „Peripherer Venenkatheter“. Also wehe, es sagt noch einer „Tempos“ für Papiertaschentücher oder „Tesa“ für transparente Klebestreifen!

In Amerika heißt das Ghetto nunmehr „Ökonomisch benachteiligtes Gebiet”. Die „Gründerväter“ werden als zu sexistisch durch „Gründer” (Founders) ersetzt. Klar, es gab im 18. Jahrhundert ja schließlich zahlreiche große weibliche Führerinnen in den USA. Aber es geht ja noch viel weiter. So nennt sich ein Hausmeister heute „Facility Manager“ und eine Sekretärin „Assistentin der Geschäftsleitung“, und die gute alte Hausfrau (Nein, sie muss nicht zwangsläufig alt sein!) ist heute „Familienmanagerin“. Ja, bitte unbedingt auf die weibliche Endung am englischen Begriff achten! Und wo wir gerade dabei sind: Diese ganze „in“-Anhängselei in allgemeinen Texten (oder noch schlimmer: das studentische „/Innen“) geht mir auf den Zeiger. Das ist sprachlicher Bullshit und macht jeglichen Lesefluss kaputt. Von der gesprochenen Sprache fange ich in diesem Zusammenhang lieber gar nicht erst an. Jeder normal denkende Mensch (und jede normal denkende Menschin) muss doch begreifen, dass es nicht geschlechtsspezifisch ist, wenn man allgemein über bspw. Journalisten spricht, ohne noch extra „Journalistinnen“ anhängen zu müssen. Ausnahme: In Stellenanzeigen mag das etwas anders aussehen. Eigentlich. Aber auch nur theoretisch. Denn selbst wenn man explizit einen Mann oder eine Frau für eine bestimmte Position sucht, so darf man das ja ohnehin nicht. Das ist sogar Gesetz.

Wie, ich schweife ab? Gehört das nicht doch irgendwie alles in einen Topf?! Übertriebenes Gutmeinen auf der einen und mehr Schein als Sein auf der anderen Seite? Die überflüssig hervorgehobene Geschlechterspezifikation? Denkt mal darüber nach.

Märchenhaft

Zum Abschluss noch ein Beispiel, wie man das Märchen von Rotkäppchen in einer politisch korrekten Version erzählen könnte (Quelle: janko.at):

Es war einmal ein junger Mensch namens Rotkäppchen. Sie lebte mit ihrer Mutter am Rande eines großen Waldes. Eines Tages bat ihre Mutter sie, ihrer Großmutter einen Korb frischen Obstes und natriumarmen Mineralwassers zu bringen. Dieses beileibe nicht, weil es sich hier um eine typische Frauenarbeit handelt, sondern weil eine derartige Handlungsweise hilft, ein Gefühl der Zusammengehörigkeit zu erzeugen. Schließlich ist die Großmutter auch keinesfalls krank, sondern im Vollbesitz ihrer geistigen und körperlichen Kräfte, von daher also durchaus in der Lage, ihr Leben als reife Erwachsene selbst in die Hand zu nehmen.

So streifte also Rotkäppchen mit ihrem Korb durch den Wald. Viele Menschen glaubten, der Wald sei gefährlich und voller dunkler Kräfte und setzten nie auch nur einen Fuß in seine Nähe. Rotkäppchen jedoch vertraute viel zu sehr Ihrer knospenden Sexualität, als dass derartig Freudianische Vorstellungen sie hätten einschüchtern können. Auf dem Weg zum Haus ihrer Großmutter wurde Rotkäppchen von einem Wolf angesprochen, der wissen wollte, was sie in ihrem Korb habe.

„Reformhauskost für meine Großmutter, die selbstverständlich alleine in der Lage ist, ihr Leben als reife Erwachsene zu führen,“ antwortete Rotkäppchen.

Der Wolf aber entgegnete: „Weißt du, Kleines, es ist gar nicht so ungefährlich für ein kleines Mädchen, sich in diesem Wald herumzutreiben.“

Sofort sagte Rotkäppchen: „Ich finde deine sexistische Bemerkung zwar außerordentlich beleidigend, bin jedoch bereit, diese zu ignorieren, da du ein klassischer Außenseiter der Gesellschaft bist und der Stress dieses sozialen Status bei dir zur Entwicklung eines eigenen, für dich individuell gültigen Weltbildes geführt hat. Nun entschuldige mich aber, ich muss weiter.“

Und Rotkäppchen folgte weiter der Straße zum Haus ihrer Großmutter. Der Wolf aber, dessen Status als Außenseiter ihn von der sklavischen Verfolgung linearer, in der westlichen Kultur begründeten Denkmuster befreit hatte, wusste eine Abkürzung. Er brach in das Haus ein und fraß die Oma, ein für einen Fleischfresser für sich genommen durchaus legitimes Verhalten. Nun aber, ungehemmt von starren, traditionalistischen Vorstellungen von männlichem und weiblichem Verhalten, legte er die Kleider der Großmutter an und kletterte in ihr Bett.

Als Rotkäppchen die Waldhütte betrat, rief sie: „Großmutter, ich habe dir ein paar fett- und cholesterinarme Lebensmittel mitgebracht, um dich in deiner Rolle als weise und nährende Mutter des Matriarchats zu stärken.“

„Näher, mein Kind, komm näher,“ ertönte es leise vom Bett.

„Oh je“, rief Rotkäppchen, „ich hatte ja ganz vergessen, dass du optisch herausgefordert bist wie eine Fledermaus. Oma, was hast du nur für große Augen!“

„Viel haben sie gesehen, und viel vergeben, meine Liebe.“

„Oma, was hast du nur für eine große Nase. Selbstverständlich nur eher vergleichsweise und durchaus schön auf ihre eigene Art.“

„Viel hat sie gerochen, und viel vergeben, meine Liebe.“

„Großmutter, wie groß sind deine Zähne!“

„Ich bin durchaus zufrieden mit meiner Identität und was damit zusammenhängt“, sagte der Wolf und sprang aus dem Bett.

Sofort packte er sie mit seinen Klauen in der Absicht, sie alsbald zu verzehren. Rotkäppchen schrie auf, nicht aus Besorgnis über des Wolfs offensichtliche Tendenz sich über bürgerliche Normen geschlechtsspezifischer Kleidung hinwegzusetzen, sondern wegen des bewussten Eindringens in ihre Privatsphäre. Ihre Schreie wurden von einem vorbeigehenden Holzfäller gehört (er selbst zieht es vor, sich als Ingenieur für nachwachsende Rohstoffe zu bezeichnen). Er stürmte sofort in die Hütte, nahm die Gefahr wahr, und wollte Rotkäppchen zu Hilfe eilen. Als er aber seine Axt hob, ließ der Wolf von Rotkäppchen ab und beide wandten sich ihm zu.

„Was glaubst du eigentlich, was du hier machst?“ herrschte Rotkäppchen ihn an. Der Holzfäller zuckte zusammen, und er versuchte zu antworten, doch ihm fehlten die Worte. „Du platzt hier rein wie ein Neandertaler, im Vertrauen auf deine Waffe, die dir das Denken abnimmt“, schimpfte sie, „Sexist! Rassist! Was bildest du dir eigentlich ein, anzunehmen, Frauen und Wölfe könnten ihre Probleme nicht ohne die Hilfe eines Mannes lösen?“

Als die Großmutter Rotkäppchens leidenschaftliche Worte hörte, sprang sie aus dem Maul des Wolfs, ergriff die Axt des Holzfällers und hieb ihm den Kopf ab. Nach diesem Gottesurteil ergriff Rotkäppchen, ihre Großmutter und den Wolf ein eigentümliches Gefühl für die Gemeinsamkeit ihrer Interessen und so entschieden sie sich, eine auf gegenseitigen Respekt und Rücksichtnahme gegründete WG zu bilden, worin sie glücklich bis ans Ende ihrer Tage lebten.

Und was ist mit dem Neandertaler…?! ^^

Zum Nachgang noch eine Leseempfehlung zur Vertiefung der Problematik:
Das Schlechte am Guten: Weshalb die politische Korrektheit scheitern muss

…ist verheiratet, Vater von zwei Söhnen und lebt seit der Jahrtausendwende im badischen Bühl. Der studierte Informationswissenschaftler und Werbe- und Marketingfachmann tauchte bereits 2005 in die Welt der Sozialen Medien ein, als XING noch openBC hieß und Facebook noch nicht wichtig zu sein schien. Er “lebt und atmet” Social Media durch XING, Facebook, Twitter & Co. und bloggt selbstverständlich auch. Bis 2014 beriet er zehn Jahre lang Firmen und Menschen im Umgang mit Social Media, gab ihnen Starthilfe, und entwickelte mit seiner Agentur, dem Kreativbüro, Werbe-Ideen und -Konzepte für seine Kunden. Heute leitet er für BELLIN das Marketing in Ettenheim.

Facebook Twitter LinkedIn Google+ Flickr YouTube Vimeo Skype Xing 

, , , , , , , , ,

  1. #1 von Michael KARL am 24. Mai 2012 - 15:31

    Das ist mal ein richtig guter Blog-Beitrag, Ralf!

  2. #2 von Andreas Koch am 24. Mai 2012 - 16:06

    Super Artikel Ralf, aber “Menschen mit Cerebralparese” sind nicht automatisch spastisch gelähmt. Es gibt darunter auch sehr viele schlaff gelähmte Menschen, die man damit auch wieder ungerecht behandeln würde. Oder ??

  3. #3 von Jay F. Kay am 24. Mai 2012 - 16:22

    Sehe ich ähnlich. Mich nervt diese ewige und scheinheilige Diskussion über Political Correctness tierisch. Bei mir heißen Negerküsse weiterhin so, genau wie der Eskimo ein Eskimo bleibt. Wems nicht passt, muss mir ja nicht zuhören.

  4. #4 von Patrick Emmler am 24. Mai 2012 - 23:50

    Ich war politisch noch nie korrekt. Das wäre viel zu langweilig und Selbstverarsche….

  5. #5 von Ralf Heinrich am 25. Mai 2012 - 09:36

    @Andreas: Da magst Du recht haben. Aber es stammt ja nicht von mir. Und ich vermag nicht zu beurteilen, ob das Organ “Behinderte” für alle Menschen mit Behinderung spricht, wenn es besagten Ratgeber publiziert. Ich gab nur deren Empfehlung wieder, weil es das “offiziellste” war, was ich gefunden habe.

  6. #6 von energizer am 25. Mai 2012 - 23:04

    Hi, ich finde deine Argumentration total ignorant und ewig gestrig. Sprache ist ein Machtinstrument und wird auch als solches benutzt. Außerdem entwickelt sich Sprache nun mal und spiegelt so gesellchaftliche Entwicklungen und Veränderungen, aber vllt. sollten Leute wie du dann lieber in einem Vakuum leben und auf keinen Fall ihre ach so geistreichen Ergüsse in einem Blog der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Da wird mir echt schlecht bei so wenig selbstkritischer Reflektion. Minderheiten sollten die Möglichkeit bekommen sich selbst zu definieren und nicht mehr sprachlich von der Mehrheitsgesellschaft dominiert zu werden. Sowas hatten wir alles in diesem Land schon mal! Scheißegal, wie du die N-teile in deiner Kindheit genannt hast, als Erwachsener kann man sich von solch rassistischer Wortwahl distanzieren und normalerweise auch umlernen, wenn man es denn will. Wer heute noch von sog. “Rassen” spricht hat sowieso einiges an Wissenslücken, die man erst mal schließen müsste. Lesen bildet, aber dein Blog tut leider das Gegenteil!

  7. #7 von ben am 26. Mai 2012 - 01:41

    Das zitierte Rotkäppchen-Märchen ist ja mal gaaar nicht politisch korrekt. Da ist die Rede von “Mutter”. Geht’s noch sexistischer? Jedes Kind im emanzipatorisch-antiautoritär-alternativen Kindergarten weiß doch, dass es “Elter” heißt.

  8. #8 von ben am 26. Mai 2012 - 01:45

    energizer :
    Sprache ist ein Machtinstrument

    …und ich sehe nicht ein, weshalb ich selbsternannte Gesinnungswärter wie Sie Macht auf mein Privatleben ausüben lassen sollte.

  9. #9 von puck grünenwald am 26. Mai 2012 - 13:08

    ..merci – ich hatte lange nicht mehr solchen Spass.
    Einerseits sind Worte Waffen, andererseits nichts weiter als verfallsdatumrelevante kleine aufgeklebten Etiketten. Man kann durchaus “Neger” sagen und den dunkelhäutigen Freund der Tochter begeistert willkommen heissen – ebenso wie man sich über dieses Wort mokiert und dennoch auf genügend Abstand bedacht ist, steht so ein pigmentultimativer Mitbürger vor einem in der Warteschlange. Es sollte eigentlich nicht darauf ankommen – aber es tut es nun mal und so müssen wir eben vierteljährlich umlernen. Es gibt wohl schlimmeres…

  10. #10 von Tom am 29. Mai 2012 - 14:25

    Sehr schöner Beitrag zum Thema.
    Mir geht dieses “/Innen” genauso auf die Nerven. So redet kein Mensch, warum sollte man so schreiben? Weil man zu faul ist zwei Wörter auszuschreiben?!
    Noch schlimmer finde ich auch die Änderungen an den alten Texten. Tom Sawyer war kein Klosterschüler. Erst recht nicht 18xx. Da wurde eben Rothaut und Neger gesagt. Wenn man diese Bezeichnungen jetzt ändert muss man auch ne Menge Gemälde übermalen. Und die ganzen Western müssen auch neu synchronisiert werden.
    Diese ganzen Umschreibungen, es sind ja keine Bezeichnungen, klingen doch nur wie hilfloses Gestammel. Die “Braunüle” wird bei dem Personal, das sie tatsächlich benutzt, auch weiterhin Braunüle heißen. Da bin ich mir ziemlich sicher.

  11. #12 von Michaela Albrecht am 8. Juni 2012 - 21:39

    Ich stimme zu, es ist schwierig, sich politisch korrekt zu verhalten. Aber darum geht es meines Erachtens auch gar nicht. Denn auch die politisch korrekteste Ausdrucksweise kann sich herablassend und gönnerhaft anhören, wenn die Haltung dahinter eben genau das ist: herablassend und gönnerhaft.

    Aber wenn man sich vorstellt, wie es sich anfühlen würde, wenn man selbst betroffen wäre, dann wird es auf einmal viel leichter. Wir Deutschen tun uns damit allerdings schwer, denn wir sind – verglichen mit anderen – kaum von Rassismus bedroht, daher können wir es nicht nachfühlen, wie es sein könnte.
    Ok, uns wird unsere Nazi-Vergangenheit gerne mal vorgeworfen, weil das unsere Achillesferse ist, aber wir werden nicht gemobbt. Dazu nimmt man uns im Ausland viel zu ernst. Zumindest ist das meine Einschätzung (die natürlich auch falsch sein kann).

    Als Minderheit gleich welcher Art ist man sicher so sehr daran gewöhnt, abwertende Kommentare zu hören, dass man bestimmt sehr genau heraushören kann, wie das Gegenüber einem wirklich begegnet. Und wenn der Inuk meinen Respekt wahrnimmt, nimmt er es mir vielleicht nicht übel, wenn ich ihn Eskimo nenne. Aber wenn ich ihn nicht respektiere, nützt es mir nichts, ihn korrekt zu bezeichnen. 80% der Kommunikation läuft nonverbal.
    Und nonverbal verrät man sich immer.

  12. #13 von Ralf Heinrich am 11. Juni 2012 - 11:29

    So ist es: Es geht eigentlich immer nur darum, sich mit Respekt zu begegnen. Nein: Es SOLLTE darum gehen. Ich habe nur ein Problem damit, wenn man es “zu gut” meint und nicht einmal die “Betroffenen” verstehen, was das soll. Wenn politische Gruppierungen zu Profilierungszwecken Dinge erfinden, die “besser” sein sollten. Einfach: Wenn es übertrieben wird.
    Aber ich stimme zu, Michaela: Man wird seine wahre Haltung nie hinter Worten verstecken können. Und das ist auch gut so.

  13. #14 von Knox am 17. September 2012 - 20:24

    Lieber Ralf Heinrich,

    eines muss ich Dir sagen, Deine Traktate zum Widersinn des Political Correctness in der leider- leider(!) -offiziellen deutschen Sprache sind Satire reinsten Wassers! Leider (schon wieder: leider) jetzt erst an diesem Tag (siehe Sendedatum) bin ich auf die Homepage Deines Kreativbüros gestoßen und konnte mich – dieses o.g. Thema betreffend, gehörig scheckig lachen! Wahrscheinlich sind wir irgendwie Brüder im Geiste! Von Kreativling zu Kreativling: Nicht nur der sinnentleerte “Korrekt-Sprech” ist auch mein Thema, sondern auch die hohlbirnige Infiltration unserer Umgangssprache mit englischen Vokabeln ohne zwingende Not – (nach Möglichkeit auch vorzugsweise in Unkenntnis der Bedeutung einiger Vokabeln so richtig falsch und sehr schön hübsch häßlich). Morgen werde ich den Heimwerker-Stützpoint aufsuchen, um mir einen “Schraubendreher auszuleihen, die Schrauben festzudrehen, die bei vielen gefährlich locker sind. Ich selbst lasse da nicht locker! Never ever! Kampf dem Schnödsinn!

  14. #15 von Knox am 17. September 2012 - 21:28

    Ralf Heinrich…ach,noch etwas… da fällt mir beim Lesen einiger Kommentare etwas auf: nämlich der Kommentar von energizer (interessanter selbstgefälliger nick-Name) vom 25. Mai 2012 zu Deinem Beitrag Thema: politisch korrekt. Zitat aus dem Erguss dieses energizers: …wer heute noch von sog. “Rassen” spricht hat sowieso einiges an Wissenslücken, die man erst mal schließen müsste. Lesen bildet… O, Du mein Energizer,(lach,lach, prust, lach, lach…)! Was hat der denn für ein Problem? Ich vermute, ein signifikantes Problem mit der deutschen Sprache. Es sei wie es sei: Vielleicht ist in seinem eigenen Dunstkreis “viel wenig” gutes deutsch incl. Vokabeln, Grammatik, Rechtschreibung, stilistischer Ausdruck, dafür aber jede Menge kämpferisch wirken sollende, konstruierte Interpretationsvielfalt mehr gefragt als das eigene “Hirnschmalz” einzusetzen. Mein Energizer (!), (schon wieder lach,lach, prust, lach, lach…) Ihnen ist zu empfehlen, sich mit der Entwicklungsgeschichte menschlicher Gesellschaften, Völkerwanderungen, der ethnischen Entwicklung nebst der damit untrennbar verbundenen Sprachentwicklung – beginnend mit der Antike (das müsste ausreichen, damit unserer energizer nicht überfordert wird…) zu beschäftigen, bevor Sie in irgendwelchen Kommentaren die Kraft Ihrer “Wassersuppe” über andere ausgießen. Einen diesbezüglich brauchbaren Wissensstand zu erwerben, braucht es nur ein sorgfältiges Studium einschlägiger, seriöser Fachliteratur zzgl. Publikationen zu diesem Themenkreis. Sofern man es will! Und sofern man des Lesens mächtig ist! Aber, um keine falschen Hoffnungen zu wecken: Lesen zu könne, reicht alleine nicht aus!

  15. #16 von Aufklärungsarbeit am 20. November 2012 - 16:48

    Um die Frage zu beantworten, warum es rassistische Scheisse ist, Schwarze als Neger zu bezeichnen, hier ein bisschen Lektüre:

    http://www.derbraunemob.info/deutsch/content/content_fragen_faq.htm#f02

  16. #17 von Heinz-Ruediger Kowaltkowski am 11. Januar 2013 - 21:25

    so einem Hobbyrassisten tropfte hier etwas von der Feder:

    Aufklärungsarbeit:»[…] rassistische Schei[ß]e […] Neger […]«

    und er hielt es für opportun, uns als »Informations«quelle seine Kameradschaftsseite zu nennen:

    Aufklärungsarbeit:»[…] der Braune Mob […]«

    . Braune Scheiße eben… *mit spitzen Fingern die Maus um den Link herumzieh*
    Wenn ich den Neger, mit dem meine Tochter zusammenlebte, »Schwarzer« genannt hätte, hätte er sich in der Tat zu recht beleidigt gefühlt;
    alle Bezeichnungen mit »schwarz« sind beleidigend: Schwarze Konten, schwarze Kassen, schwarze Koffer, schwarzärgern, Schwarzgeld, Schwarzfahrer, Schwarzarbeiter, schwarze Politiker (CDU, CSU), Schwarze (die abfälligste Bezeichnung katholischer Kirchgänger); »Schwarze Finger« heißt bei Tische nicht: »Wir haben einen maximalpigmentierten Kontinentalverirrten zu Gast«, sondern: »wasch dir die Hände!«

    das mit dem großen i mitten in Wörtern ist allerdings ein ganz eigenes und trauriges Kapitel Dummheit; ich kaufe meine Lebensmittel in einem Genossenschaftsladen (ökologisch erzeugte Regionalprodukte). Dieser Laden ist Mitgliedern vorbehalten. Sie ahnen gewiß die explosive Mischung, die sich aus Emanzenproll, Binnen-I und Mitgliedschaft ergibt – ich habe dann das Gezeter der politisch überkorreckten Dummnatter beendet, indem ich sagte: »als der Kassierer frug, ob Sie Mitglied seien, meinte er die Möglichkeit mit, daß Sie auch Mit-Klit, Mitscheide oder Mitgliederin sein könnten…« Die »Dame« trat unserer Genossenschaft gÖTTINNENseidank nicht bei

  17. #18 von T.Ch3r am 6. April 2014 - 10:19

    Ein gelungener Artikel, dem ich fast vollkommen zustimmen kann. Eine Anmerkung habe ich allerdings:

    Dass “Assistentin der Geschäftsleitung” ein politisch korrektes Synonym für “Sekretärin” sei, ist ein weit verbreiteter Irrglaube (dem auch ich zunächst aufgesessen war).

    Es handelt sich dabei um die Bezeichnung einer Führungsposition. Die ein oder andere Assistenz hat sogar mitunter selbst eine Sekretärin (oder gar einen Sekretär…).

  18. #19 von Ralf Heinrich am 8. April 2014 - 10:19

    Das stimmt, T.Ch3r. Mein Fehler. Das liegt daran, dass es in vielen Firmen wirklich so ist, dass es keinen Unterschied gibt. Generell hast Du aber natürlich recht.

  19. #20 von man4life am 15. Dezember 2015 - 21:18

    Mich hat es auf diese Seite verschlagen, als ich hörte, das das Niederländische Rijksmuseum seinen rund 1 Mio Exemplare umfassenden Fundus nach PI-Bezeichnungen wie Neger, Eskimo oder Indianer durchforstet, um diese Begriffe auszumerzen. Ist das souveräner Umgang mit der Vergangenheit oder eher das gerade Gegenteil?

    Zum Blog: Rotkäppchen ist eine MenschIn!
    Und als PI-Gericht gibt es auch noch das (geschlechtsneutrale!) “Tatar”.
    An PI-Literatur fallen mir noch Struwwelpeter & Co. sowie jede Menge Wilhelm Busch ein – besonders Kinder, die aus unerfindlichen Gründen eine diebische Freude an den Versen haben, könnten ernsthaft Schaden nehmen!

    Es macht eben richtiggehend SPASS, wider den Stachel zu löcken und diese Begriffe gerade dann zu verwenden, wenn man weiß, da ist jemand, der über jedes Stöckchen springt, das man ihm/ihr hinhält!

    In diesem Sinne: “Es war einmal ein Neger, der lebte in der Tschechei… ähm in Slowakien”

Bitte hier Feedback geben! Sollte der Kommentar nach dem Abschicken nicht gleich erscheinen, so wurde dieser als vermeintlicher Spam erkannt. Aber keine Sorge: Ich überprüfe regelmäßig und schalte dann ggf. selbst von Hand frei. Neben der E-Mail-Benachrichtigung kann man natürlich noch den Hauptfeed abonnieren. Und wer sein Bild in den Kommentaren sehen will, der sollte sich bei Gravatar registrieren.

(wird nicht veröffentlicht)
Twittername (keine Links und ohne @-Zeichen)